Mittwoch, 12. August 2009

Abschluss

Nahezu ein Jahr ist es nun schon her, seit ich mich mit meinem Vater und meinen Geschwistern an Bord auf den Weg zum Münchner Flughafen gemacht hatte. Gestern war ich erneut dort. Statt meines Bruders war dieses Mal meine Mutter dabei. Statt nach Madrid ging es nach Palma; statt ins Auslandssemester in den Sommerurlaub. Und statt selbst in den Flieger zu steigen, während die Familie das Auto nach Hause brachte, war es dieses Mal ich, der das Auto nach Hause brachte, während die Familie in den Flieger stieg.

Sechs Monate sind inzwischen vergangen, seit ich zum letzten Mal aus dem Flugzeug stieg. Eingelebt und doch noch nicht eingerichtet, verbringe ich meine Zeit seither zwischen Heimat und Augsburger Wohnung. Die Scheine Modelos lineales generalizados und Métodos de suavizado en estadística wurden mir schon vor einiger Zeit mit jeweils zehn Leistungspunkten und einer Note von 4,0 bzw. 2,0 anerkannt.

Der inneren Frieden, von dem ich mir in naiver Weise ein wenig erhofft hatte, ihn in Spanien zu finden, ist mir bis heute nicht über den Weg gelaufen und doch fühle ich mich ihm heute ein bisschen näher als zuvor. Außerdem bin ich an diesem einen Nachmittag, als ich ohne Busfahrkarte, ohne Bargeld, ohne Kreditkarten und ohne Personalausweis in Marid stand, in positiver Weise um mindestens zwei Jahre gealtert, sodass mein gefühltes Alter heute meinem tatsächlichen Alter entspricht. Des Weiteren konnte ich noch die Erkenntnis mit nach Hause nehmen, dass mehr Freizeit nicht notwendigerweise glücklicher macht, weniger jedoch ebenfalls nicht.

Abschließend möchte ich mich bei allen bedanken, die – sei es in Spanien, von zu Hause aus oder sonstwo gewesen – dazu beigetragen haben, dass mir die sechs Monate in Valladolid stets als eine positive Zeit in Erinnerung bleiben werden.

Mittwoch, 25. Februar 2009

Fast Times at Valladolid University

Wie im Flug verging die Zeit seit meinem letzten Eintrag. Nach einem Wochenende der Entspannung nutzte ich die letzte Januarwoche, um mich auf die Klausur Modelos lineales generalizados vorzubereiten. Dafür hatte ich mir sämtliche Mitschriften einer spanischen Komilitonin kopiert und ich muss sagen, ich wurde daraus wesentlich schlauer als aus den meinen.


In derselben Woche verließ mich auch mein Bielefelder Mitbewohner Steffen, der noch eine oder zwei Wochen in seinem Auto durch Nordspanien und Frankreich reisen wollte und mir unter anderem einen Haufen schmutziges Geschirr hinterließ.


Die Klausur selbst hätte dann schöner gestaltet nicht sein können. Neben handschriftlichen, spanischen Fragen zur Theorie befand sich noch die Kopie einer Praxisaufgabe aus einem englischsprachigen Buch. Für jemanden wie mich, der deutsche Klausuren gewohnt ist, war es doch ein seltsames Gefühl, eine Prüfung vor einem Rechner – höchstwahrscheinlich mit Internetzugang – sitzend zu verbringen. Insgesamt verlief die Klausur ganz gut. Ergebnis waren 5,0 von 10 spanischen Punkten, was mich zwar zunächst ein wenig enttäuscht hat, aber nachdem von den sieben oder acht Teilnehmern nur drei bestanden haben, sollte ich mich wohl damit zufrieden geben.


Nach einem weiteren Wochenende der Entspannung kam dann Edmund, mein neuer Mitbewohner an. Edmund ist Engländer und studiert in Edinburgh Französisch, Spanisch und Studien der EU, weswegen er nun nach einem Semester in Grenoble ein Semester in Valladolid verbringen wird. Er hat sich schnell bei uns eingelebt und ich hätte auch gerne ein weiteres Semester mit ihm und Dita zusammen gewohnt, aber naja.


Den Rest der Woche verbrachte ich dann damit, mich auf Métodos de suavizado en estadística vorzubereiten, wo sogar notable 7,2 Punkte heraussprangen.


Den Plan, die durch mangelnden Einsatz während des Semesters entstandenen Álgebra-Lücken an einem Wochenende aufzuholen, habe ich relativ schnell aufgegeben und so entschied ich mich am darauffolgenden Montag, meine Álgebra-Klausur leer abzugeben.


Am selben Abend kam dann Christoph – die Tatsache, dass wir beide den selben Vornamen tragen, wird Jan jetzt sicher sehr verwirren – zu Besuch. Neben der obligatorischen Tour durch die Tapas-Bars, haben wir das Museo Nacional de Escultura in Valladolid und den Prado in Madrid besucht. Christoph wusste als Kunstgeschichtler natürlich viel zu erzählen und ich muss sagen, unter fachkundiger Anleitung macht mir ein Museumsbesuch gleich deutlich mehr Spaß.


Am darauffolgenden Wochenende hieß es dann Abschied nehmen von Stadt und Leuten. Gleichzeitig war noch Thomas, der im kommenden Semester die Augsburger Mathe-Studenten in Valladolid vertreten wird und mittlerweile anscheinend eine ganz schöne Wohnung gefunden hat, in unserer Wohnung zu Gast. Sonntag Abend trafen wir, einige dableibende und einige weggehende Erasmus-Studenten, uns in einer traditionell spanischen Crêperie, um Abschied feiern. Ich möchte mich bei allen über die netten Abschiedsgeschenke bedanken. Eines davon ist hier abgebildet:


Valladolid farewell coffee mug


An sich war's das jetzt mit diesem Blog, aber vielleicht ringe ich mich in einigen Wochen noch durch, mit dem gebührenden zeitlichen Abstand ein Fazit zu ziehen.

Montag, 19. Januar 2009

Wieder unter den Bloggenden

Wahnsinn! Da hatte man mehr als sechs Wochen eine Schreibblockade, die der von Hank Moody beinahe in nichts nachstand, und jetzt, wo die Vorlesungszeit zu Ende ist und ich mich eigentlich auf meine Klausuren vorbereiten könnte, ist alles wie weggeblasen.


Zunächst zu den versprochenen Fotos aus Andalusien: Eines Donnerstag Abends Anfang Dezember trafen wir – das sind Nina, die mich auf die Idee brachte, an diesem Trip teilzunehmen, sowie eine Gruppe mir bis dahin größtenteils unbekannter Studenten – uns kurz nach Mitternacht im Zentrum Valladolids, um auf den Bus zu warten, der uns in den ersehnten Süden Spaniens bringen sollte.


Nach acht Stunden für durchschnittlich große Mitteleuropäer unbequemer Busfahrt kamen wir in Granada an, wo wir erfuhren, dass wir an Stelle des gebuchten Drei-Sterne-Hotels ein Hotel der Vier-Sterne-Kategorie beziehen werden. Den Morgen nutzten wir in einer Siebener-Gruppe, die sich tatsächlich aus Mitgliedern sieben verschiedener Nationen zusammensetzte, um vor allem das alte, arabische Stadtviertel Albaicín zu erkunden:


Albaicín quarter with Alhambra in the background


Im Hintergrund ist bereits die Burg Alhambra zu erkennen, die sicher zu den Top-Ten-Sehenswürdigkeiten Spaniens gehört und die wir auch am Nachmittag besichtigten. Die ausgezeichnete aber auch sehr ausführliche Führung dort und die im Bus verbrachte Nacht zuvor schlauchten dann doch sehr und so begab ich mich nach einem Besuch in einem arabischen Teehaus und einem Abendessen in einem lokaltypischen Restaurant zurück ins Hotel, um innerhalb kürzester Zeit wegzuschlummern.


Am nächsten Morgen machten wir uns auf den Weg nach Sevilla, der Hauptstadt Andalusiens, wo uns als Unterkunft leider kein Vier-Sterne-Hotel, sondern die Residencia Universitaria Los Bermejales erwartete. Diese war zwar für die darauffolgenden zwei Nächte durchaus tragbar, aber ich könnte mir niemals vorstellen, als Student dauerhaft in einem Wohnheim zu wohnen, das aus weiß Gott wie vielen herzlos nebeneinander auf eine trostlose Teerfläche gestellten Bungalow-Reihen mit Bauwagen-Charme besteht.


Samstag und Sonntag standen zur freien Verfügung und so kauften wir uns ein Ticket für einen der klischeehaften Touri-Busse, das neben der ganz interessanten Busfahrt auch eine Führung durch die Altstadt beinhaltete:


Seville Old Town building


Die Führung war es dann auch, die den Ticketpreis mehr als rechtfertigte, und so erfuhren wir – pädagogisch wertvoll zunächst auf Spanisch und anschließend auf Englisch – was es mit den in der Stadt überpräsenten und außerordentlich saure Früchte tragenden Orangenbäumen auf sich hat:


Christmas lights on an orange tree


Diese wurden vor Jahrhunderten angepflanzt, um aus den Orangenschalen Stoffe zu gewinnen, die zur Herstellung von Schießpulver benötigt wurden. (Fragt mich nicht wie.) In weiser Voraussicht rechnete man allerdings mit der hungrigen Stadtbevölkerung und pflanzte deswegen eine Kreuzung aus Orangen und Zitronen an. Deren Früchte sind dementsprechend sauer und ich kenne eigentlich nur einen leidenschaftlichen Zitronenesser, der diese nichtsdestotrotz roh verzehren würde. Heute werden sie zur Herstellung von für den Export nach England bestimmter Marmelade verwendet. Die Tatsache, dass sich am oben gebildeten Baum neben den Orangen auch Weihnachtslichter befanden, zeigt, dass wir uns trotz Tagestemperaturen um die 15 °C am zweiten Adventswochenende befanden.


The cathedral


Die berühmte Giralda (siehe oben) konnten wir dann leider nicht mehr von Innen besichtigen, da wir uns stattdessen entschieden haben, den Sonntagvormittag in den Reales Alcázares (siehe unten), dem Stadtpalast der spanischen Königsfamilie, zu verbringen. Hier konnte man ähnlich wie in der Alhambra die für Andalusien typische Mixtur verschiedenster Baustile erleben, die entstand, indem man arabische Gebäude teilweise oder auch ganz niederreißen ließ, um dann auf den Ruinen im Auftrag der christlichen Herrscher von im Lande verbliebenen maurischen Architekten und Handwerken neue Anlagen im sogenannten Mudéjar-Stil errichten zu lassen, bis diese ebenfalls vertrieben wurden.


Real Alcázar


Den letzten Tag verbrachten wir in Córdoba, das einen unvermeidlich an die historische Schmach von Córdoba denken lässt, mit dieser aber nichts zu tun hat:


DSCN2286


Horse carriage in Córdoba Old Town


Spanish electrician masterpiece


Neben einer sehr schönen, verwinkelten Altstadt und Meisterwerken spanischer Elektrikerkunst (siehe oben) gibt es in dieser Stadt auch die Mezquita, eine frühere Moschee und heutige Kathedrale zu besichtigen, bei deren Glockenturm es sich um ein ehemaliges Minarett handelt:


One of the Mezquita's towers


Der Rest des Dezembers verlief dann sehr ruhig in Valladolid und nur am dritten Adventswochenende entscheiden wir uns für einen Tagesausflug nach Burgos, den uns allerdings der Regen gehörig vermieste:


Monument to the Unknown Chestnut Saleswoman


So blieb als einzige nenneswerte Erinnerung ein Besuch in der Kathedrale von Burgos, einem Weltkulturerbe der UNESCO, die wirklich beeindruckend ist und deren Besichtigung ich nur weiterempfehlen kann:


Burgos Cathedral


Die Weihnachtsferien verbrachte ich zu Hause und genoss die Zeit mit der Familie und den Freunden, Weihnachtsgebäck, die heimische Küche sowie anständig beheizte und isolierte Räume. Auch für einen Trip nach München, unter anderem zum Anfang Dezember neu eröffneten, ersten offiziellen Apple Store Deutschlands blieb Zeit.


Seit meiner Rückkehr nach Valladolid hat sich nicht sonderlich viel getan. Einzig die zeitweise klirrende Kälte sowie ein Besuch im Museo Oriental de Valladolid, bei dem Elisabeth, Torben und ich ein komplettes Museum für uns hatten, sei kurz erwähnt: Das Museum selbst hat eine Vielzahl philippinischer, japanischer und vor allem chinesischer Ausstellungsstücke zu bieten, jedoch könnte man an der Präsentation noch sehr viel verbessern.


Vorgestern endete für mich die Vorlesungszeit und so wird es langsam Zeit, sich intensiver mit den drei Klausuren auseinanderzusetzen, die in den nächsten zweieinhalb Wochen anstehen.

Mittwoch, 3. Dezember 2008

Zwischenbilanz

Einem großen Vorbild folgend möchte ich ein erstes Fazit meines mittlerweile 14 Wochen andauernden Spanien-Aufenthalts ziehen. Zunächst für die Freunde der Zahlen:
Nun zum ersten Thema: Spanien ist ein durchaus sympathisches Land, dessen Bewohner es jederzeit schaffen, einen Schutzheiligen zu finden oder zu erfinden, um diesen gebührlich feiern.


Die Küche ist sehr interessant und bietet neben dem typischen Braten wir doch mal alles mögliche in Knoblauch und Olivenöl raus, der Paella (been there, done that) und dem allgegenwärtigen Schinken auch deftige Speisen wie die Tortilla Española oder verschiedenste Sorten Blutwurst an. Sehr lecker!


Landschaftlich ist Kastilien im Allgemeinen nicht so spanned, es sei denn, man steht auf Dürre. Dafür findet sich inmitten der unbesiedelten Leere immer wieder eine mittelalterliche Burg – der Name Kastilien bedeutet nicht umsonst Burgenland. Auch in den Städten gibt es viele alte Gebäude zu sehen – alte Kirchen, alte Mauern, alte Plätze und alte Universitätsgebäude – was sehr beeindruckend ist. In Deutschland wurden diese vermutlich größtenteils zerstört, als alle im Urlaub waren.


Im Sommer kann man sich über das Wetter kaum beschweren und auch dem Winter kann man seine positiven Seiten abgewinnen: Zwar ist es nur geschätzte fünf Grad wärmer als in Deutschland, von denen man auf Grund durchwegs schlecht isolierter Gebäude auch kaum praktischen Nutzen hat, aber es ist deutlich trockener und man muss sich praktisch nie bei windigen zwei Grad über null durch Nieselregen kämpfen.


Die Sprache bereitet nach wie vor Schwierigkeiten – gar nicht so sehr das Vokabular oder die Grammatik, sondern die Alltagssprache: Dass beispielsweise die Frage ¿Estabas? (wortwörtlich: Warst?) in einem Gemüseladen auch Entschuldige! Nachdem wir nebeneinander in der Schlange stehen, weiß ich nicht mehr, wer von uns der Erste war. Warst du's? bedeuten kann, wurde mir erst diese Woche bewusst. Vielleicht sollte man die Sache aber auch einfach mit einer gesunden Portion Selbstbewusstsein à la Torben nehmen: Die halten mich mittlerweile für einen Muttersprachler – die verwenden so komische Wörter!


Die Uni ist ganz in Ordnung, hält aber, was Mathe betrifft, dem Vergleich mit Deutschland kaum stand. Regelmäßig gestellte und verbesserte Hausaufgaben vermisst zumindest die wissbegierige Seite in mir sehr. Eine wirre Mixtur aus Mathe- und Statistik-Studiengang und verschiedenen Semestern, wie ich sie höre, würde ich nicht weiterempfehlen. Am sinnvollsten wäre es vermutlich, sich einfach für einen der fünf Jahrgänge des einheimischen Mathe-Studiengangs zu entscheiden und dann dessen Vorlesungen zu hören, schon allein um ein festes Umfeld an der Uni zu haben.


Damit, denke ich, ist für heute genug bilanziert. Das kommende Wochenende verbringe ich in Andalusien. Dann gibt es auch wieder Fotos!

Samstag, 29. November 2008

Lobet den Herrn! X ist kompakt!

Fiesta San Bourbaki


Gestern hieß es früh aufstehen, denn es war Fiesta San Bourbaki, das beste Mathematiker-Fest Spaniens. Gefeiert wurde zu Ehren von Nicolas Bourbaki, dem Schutzpatron der Mathe-Studenten Valladolids:


San Bourbaki himself


Nach Auftakt um 9 Uhr in der Bar Tú y Yo ging es zur Fakultät, um bei San Bourbaki um Hilfe bei der Lösung mathematischer Probleme zu bitten. Da jedoch die Heiligsprechung von Bourbaki durch die katholische Kirche noch etwas auf sich warten lässt, musste auf eine formale Messe mit Priester leider verzichtet werden und statt aus der Heiligen Schrift konnte nur aus der Santa Topología gelesen werden.


Our Bourbaki


Bourbaki unser,
der du bist in den Büchern,
abgeleitet werde dein Name.
Dein Fest komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Reellen, so auch im Komplexen.

sondern erlöse uns von Cesáreo.
Q.E.D.



Students vs. professors


Zur Mittagszeit gab es dann ein Fußballspiel Studenten gegen Professoren und nach weiteren Fürbitten am Nachmittag ein großes Bingo-Spiel mit dem Wahnsinnsgewinn von sieben Euro bei 50 Cent Einsatz. Abends wurde die Bourbaki-Figur verbrannt und das Fest fand seinen Ausklang in den Bars der Stadt.

Dienstag, 25. November 2008

Fast ein bisschen wie zu Hause

Mmh, chocolate


Nichts ahnend stand ich heute in der Küche und schälte Kartoffeln – Gruß an Daniel – als mein Blick auf den Fertig-Schokopudding mit dem etwas seltsamen Namen Danubia sowie den sehr eigenwilligen Deckelfarben fiel, den mir meine Mitbewohnerin geschenkt hatte. Eine genauere Untersuchung des Kleingedruckten konnte dann tatsächlich die Neuburger Milchwerke als Hersteller identifizieren. Ein Hoch auf die Globalisierung!

Sonntag, 16. November 2008

Auf nach Ávila

Vor lauter Berichten über Kinowoche, Salamanca und Madrid habe ich ganz vergessen, Moritz' Wahlparty zu erwähnen: Yes, we can!


View through city gate


Heute Vormittag ging es mit Elisabeth und Torben auf nach Ávila. Nachdem wir am Bahnhof von Valladolid erstmal die Bekanntschaft einiger polnischer Studenten, denen wir im Laufe des Tages noch häufiger begegnen sollten, gemacht hatten, begann mit der Zugfahrt eine Zeit des Hoffens und Bangens: In Valladolid war das Wetter noch bestens, doch im Laufe der Fahrt wurde es immer bewölkter und kälter, um dann kurz vor Ankunft in der UNESCO-Weltkulturerbestadt wieder aufzuklaren.


Die Mittagszeit verbrachten wir mit der Begehung der durchaus beeindruckenden Stadtmauer:


Ávila's walls


Anschließend schleppte uns der Hunger in eine Filiale von Telepizza. Die für spanische Verhältnisse durchaus gesalzenen Preise erklärten sich ziemlich schnell, befand sich doch im Inneren einer jeden Portion Knoblauchbrot grob geschätzt ein halber Liter Olivenöl, der sich durch leichtes Pressen ohne Probleme extrahieren ließ.


Übermäßig gesättigt besichtigten wir dann noch zwei Kirchen, um uns anschließend auf den Nach-Hause-Weg zu machen.


Ach ja, das Rätsel, woher denn die Babies kommen, konnten wir auch ein für alle Mal lösen:


Baby Factory

Sonntag, 9. November 2008

Kinowoche und Familienbesuch

Die letzte Oktoberwoche hier war geprägt von der Semana Internacional de Cine de Valladolid, der internationalen Kinowoche.


Selbst habe ich unter anderem einen Abend besucht, an dem sieben 3D-Kurzfilme aus spanischer Produktion gezeigt wurden. Dabei blieben mir besonders die Abenteuer von Tadeo Jones sowie die dunkle Geschichte einer die Freundschaft der Vögel suchenden Vogelscheuche, La Leyenda del Espantapájaros, in Erinnerung, die beide auch auf YouTube zu finden sind. Vor allem ersterer sollte auch ohne Spanisch-Kenntnisse sehr gut verständlich sein.


Bei meinem zweiten Kinobesuch wurde ich dann doch ein wenig von der Drastik des zeitgenössischen spanischen Kinos überrascht. 3 Días soll laut seminci.es die Geschichte eines frustrierten, jungen Mannes erzählen, der die letzten drei Tage der Erde trinkend und Musik hörend verbringen will, bis er gezwungen wird, seine Nichten und Neffen vor einem mysteriösen Unbekannten zu beschützen. Dass es sich bei diesem Unbekannten um einen Massen- und Kindermörder handelt verschweigt die Beschreibung. Der Weltuntergang und ein Kindermörder in einem Film – da bleibt die Frage, wie der Regisseur das in späteren Filmen noch übertreffen will.


Am Freitag Abend galt es dann, meinen Bruder am Flughafen abzuholen. Samstag, der letzte Tag der Kinowoche, wollten wir ursprünglich Die Welle schauen, aber da dieser ausverkauft war, ging es stattdessen in Caótica Ana, dessen Titel vermutlich keinerlei Übersetzung bedarf. Mit Ana is the princess and the monster of this feminist fable against the tyranny of the white man beschreibt IMBD die Handlung zur Genüge.


Nach einem Wochenende mit Besuchen in verschiedenen Bars, Tapas-Bars und dem Kolumbus-Museum der Stadt entschlossen sich Daniel und ich am Dienstag nach Salamanca zu fahren. Neben den mir bereits von unserem letzten Besuch bekannten Orten haben wir auch die Kathedrale von innen besichtigt und so unangenehm ich es auch sonst finde, Touri-mäßig durch Kirchen zu stapfen, war es doch ein in jeder Hinsicht lohnenswerter und beeindruckender Anblick. Des Weiteren blieben mir das Restaurante Corillo und das Café Erasmus – beide in der selben Straße gelegen – in Erinnerung. In ersterem gab es das bisher leckerste Gericht meines Spanien-Aufenthalts, ein Filet vom iberischen Schwein mit Manchego-Käse-Creme, das als zweiter Gang eines 12 € teuren Tagesmenüs auch noch überaus preisgünstig war. Zweiteres wurde uns von anderen Erasmus-Studenten aus Valladolid auf Grund der interessanten Einrichtung und der dort angebotenen heißen Schokolade mit beinaher Pudding-Konsistenz empfohlen.


Den Mittwoch Abend verbrachten wir dann beim Champions-League-Spiel Real Madrid – Juventus Turin – wie immer organisiert von der Bar Don Enrique und der Peña Madrista de Valladolid. Nach Übernachtung im sehr empfehlenswerten Hostal Cruz-Sol blieben uns noch sechs Stunden in Madrid bis zum Rückflug Daniels, die wir mit Frühstück, einem Spaziergang über die Puerta del Sol, das Museo del Prado sowie den Parque del Buen Retiro, Mittagessen und einigen Besuchen in diversen Souvenir-Geschäften verbrachten.

Montag, 27. Oktober 2008

Geh Spargel braten!

Umgangssprachliches Spanisch:

¡Vete a freír espárragos!

Mehr gibt's bei der BBC.

Mittwoch, 22. Oktober 2008

Nehmen wir mal an, ich habe einen Körper…

Richtig, wir befinden uns in einer Mathe-Vorlesung. Aber bevor nun einige Leser – möglicherweise zu Recht – panikartig die Flucht ergreifen, sei noch auf Birtes Bericht über unseren letztsamstäglichen Trip nach Salamanca verwiesen.


Bild343


Bei dem oben abgebildeten Gebäude handelt es sich ürigens um das Mathe-Gebäude der Uni Salamanca. Zum Vergleich noch ein mal Valladolid:


Faculdad de Ciencias


Aber lassen wir das. Hier mein Stundenplan:


MontagDienstagMittwochDonnerstag
9–10ÁlgebraÁlgebraÁlgebra
10–11Métodos de SuavizadoMétodos de SuavizadoMétodos de SuavizadoModelos Lineales Generalizados
11–12Métodos de SuavizadoModelos Lineales Generalizados
12–13Modelos Lineales Generalizados
13–14Modelos Lineales Generalizados



Zur Álgebra gibt es gar nicht so viel zu sagen. Es handelt sich dabei um eine grundlegende Vorlesung, die von circa zwölf Studenten besucht wird und in der im Laufe eines Jahres Körpertheorie, Galoistheorie sowie endliche Körper und deren Anwendungen behandelt werden sollen, wovon ich allerdings nur das erste Semester hören werde. Ein erstes Übungsblatt gibt es auch. Ich vermute, dass das im Rahmen der Vorlesung besprochen wird, so wie es hier anscheinend üblich ist. Leider hat der Dozent darauf verzichtet, so wie ich es von einem deutschen Prof erwartet hätte, grundlegende Begriffe wie Körper, Ring oder Polynom zu definieren. Dort vertraut er anscheinend komplett auf Kenntnisse aus vorhergehenden Vorlesungen. Außerdem wird deutlich weniger in dem aus Deutschland bekannten Schema Definition–Satz–Beweis gearbeitet. Stattdessen wird sehr viel mit Vorkenntnissen, Diagrammen und Veranschaulichungen gearbeitet, was mich mitunter sehr stört.


Statistics class


Die Métodos de Suavizado en Estadística, die Glättungsmethoden in der Statistik, sind im Gegensatz zur Álgebra kein Teil des Mathematik-Studiengangs, sondern gehören zur Statistik, die hier einen separaten Studiengang darstellt. Die grundlegende Problemstellung dieser von ungefähr neun Studenten besuchten Vorlesung ist es, zu einer gegebenen Stichprobe X1, …, Xn, von der angenommen wird, sie sei gemäß einer unbekannten Dichtefunktion f unabhängig und identisch verteilt, eine Schätzung der Dichte zu finden, die gewissen Glattheitsanforderungen entspricht und f möglichst gut wiedergibt. Das Ganze besteht üblicherweise aus Theorievorlesungen am Dienstag und Mittwoch, wo mir, wie in Statistik so üblich, die Symbole, Exponenten, Abkürzungen und Gleichheitszeichen nur so um die Ohren fliegen (siehe oben), und man sich wundert, wozu das alles denn überhaupt zu Nutzen sei. Montags findet die Vorlesung in einem PC-Raum statt, wo das ganze mit der wohlbekannten Software R in die Praxis umgesetzt wird. Ich bevorzuge es dabei, in Gruppen mit einem bis zwei Spaniern zu arbeiten, da es mir doch sehr schwer fällt, den ausschließlich mündlich erteilten Arbeitsanweisungen des Profs zu folgen.


In meiner letzten Vorlesung, Modelos Lineales Generalizados, ebenfalls Teil des Statistik-Studiengangs und ebenfalls von circa neun Studenten besucht, werden die Klassischen Linearen Modelle zu GLM verallgemeinert. Der Praxisteil wird mit Hilfe der auf den ersten Blick einer Tabellenkalkulation ähnelnden Software Statistica abgehandelt, die es unter anderem erlaubt, mit Hilfe verschiedener Assistenten eine Vielzahl von Modellen auf vorhandene Datensätze anzuwenden sowie mit wenigen Klicks deren Parameter, Residuen, Konfidenzintervalle, usw. zu bestimmen und diese in verschiedensten Plots darzustellen. Leider spricht der Professor einen auch für die einheimischen Studenten nur schwer verständlichen Dialekt, der wohl den Regionen Andalusien oder Extremadura zuzuordnen ist. Darüberhinweg trösten kann mich nur das sehr detaillierte englischsprachige Buch zur Vorlesung. Weicht der Dozent allerdings mal für 45 Minuten vom Buch ab, ohne wirklich etwas an die Tafel anzuschreiben, wird mir immer etwas mulmig zu Mute und ich beschränke mich auf eine linguistische Analyse des Gesprochenen. Wie mir scheint, entfallen sämtliche Endungen auf s ebenso wie bereits einige ds bereits in der Wortmitte. y-, s- und ch-Laute geraten ein wenig durcheinander und máoménotre scheint más o menos tres, also plus/minus drei, zu bedeuten.


Patatas bravas


Ansonsten geht alles seinen gewohnten Weg: In der Fakultäts-Cafeteria gibt es lecker Patatas bravas (siehe oben) und das Fakultäts-Gebäude verfällt langsam aber stetig (siehe unten).


Rain at the faculty

Sonntag, 12. Oktober 2008

Die Universität beginnt

Vorletzten Montag begann die Universität. Also mehr oder weniger. Hier ist es so üblich, dass die Profs zur ersten Vorlesung kurz erscheinen, erzählen, was sie dieses Semester so vorhaben und nach ein paar Minuten wieder verschwinden. So mancher erschien auch zur ersten Vorlesung gar nicht und gab dann zum zweiten Termin die Kurzeinführung, um gleich darauf wieder abzuhauen.


The media


Am Mittwoch war dann Fiesta de Bienvenida an der Uni angesagt. Zunächst gab es einige Ansprachen und einen Auftritt des Universitätschors, der unter anderem die universitätseigene Hymne darbot, im Paraninfo, dem repräsentativen Hauptsaal der Uni. Anschließend ging es weiter in ein anderes Gebäude zu einem Wein auf Kosten der Universität. Selbstverständlich beinhaltete der Begriff Wein auch ein ordentliches Buffet verschiedenster lokaler Leckereien.


Die Universität nahm dann schon fast ihren langweiligen Lauf als mich letzten Donnerstag Abend um kurz vor 19 Uhr Torben, ein Mathematik-und-Spanisch-Student aus Kiel anrief, ich möge doch sofort zur Fakultät kommen:


Fiesta de la Integración


Wie auf dem Foto zu sehen, war Fiesta de la Integración angesagt und obwohl ich eigentlich eher in Jans Blog mit einem Bericht über seltsame Freshmen-Bräuche gerechnet hätte, möchte ich euch das Folgende nicht vorenthalten: Torben und ich wurden glücklicherweise mit einem E auf der Stirn als Erasmus-Studenten gekennzeichnet, sodass wir von dem verschont blieben, was den mit N markierten Neulingen widerfuhr: In Zeitungshut, Müllsack und Windel gekleidet und an einem langen Strick zusammengekettet durften diese erst mal vor der Eingangstüre ein Loblied auf die älteren Studenten singen: ¡Qué buenos son los señores veteranos!


Freshmen in diapers


Anschließend ging es nach einem Limbo unter der Parkplatzschranke auf in die Innenstadt, wo sich die Nuevos vor dem Jura-Gebäude jeweils kurz vorstellen durften.


Diaper limbo


Zur Belohnung durften die Fresher dann ihre Schmachklamotten ablegen und es wurde noch bis vier Uhr morgens in der für Spanien typischen Reihenfolge Bar, Chupitería - was man mit Stamperlerie durchaus unzureichend übersetzen kann - und Disko gefeiert.


Heute ist erst mal Kolumbus-Tag, der Nationalfeiertag Spaniens, der laut TV-Nachrichten in Madrid auch mit großer Militärparade mit Flaggen-an-den-Himmel-sprüh-Flugzeugen, König und Ministerpräsident begangen wurde, und weil der dieses Jahr auf einen Sonntag fällt, ist morgen auch frei. Pragmatisch sind sie durchaus, die Spanier.


Kommende Woche werde ich dann mal mit den Professoren der Vorlesungen, die ich gerne dauerhaft besuchen möchte, und dem Erasmus-Koordinator sprechen, um mein so genanntes Learning Agreement fertigzustellen. Ist das erledigt, werde ich hier ein wenig über meinen Stundenplan berichten.

Samstag, 11. Oktober 2008

Castillos de Castilla

Nach langer Zeit melde ich mich wieder zurück, um von den Ereignissen nach unserem Champions-League-Ausflug zu berichten. Wie es das örtliche Klima und die Klimaanlage des Busses so wollten, war ich erst mal ordentlich erkältet. Nach einem Freitag, an dem ich darauf verzichtete, das Haus zu verlassen, ging es am Samstag, dem 20. September, auf zu den Burgen Kastiliens - man hatte schließlich bereits vorab für den Ausflug bezahlt. Einen sehr schönen Bericht über diesen Trip hat Birte verfasst, die übrigens auch in Augsburg studiert.


Museum of the Treaty of Tordesillas


Ich möchte dem gar nicht so viel hinzufügen. Nur obiges Gebäude verdient gesonderte Erwähnung: Es handelt sich dabei um das Casa del Tratado en Tordesillas und erinnert daran, dass in diesem unscheinbaren 8700-Einwohner-Örtchen names Tordesillas vor gut fünfhundert Jahren der gleichnamige Vertrag unterzeichnet wurde, mit dem sich Spanien und Portugal mal eben die komplette Welt teilten. Glücklicherweise waren auch damals nicht alle Staaten hellauf begeistert von dieser Idee, sodass es auch heute noch Länder gibt, in denen andere Sprachen gesprochen werden als Spanisch oder Portugiesisch.


Die folgende Woche war dann in erster Linie von meiner Erkältung geprägt. Dennoch besuchte ich den Sprachkurs und am Freitag die zugehörige Abschlussklausur. Nach dem Ergebnis habe ich mich bisher noch nicht erkundigt, aber mir kam zu Ohren, es haben alle bestanden.


Dann begann am Montag, dem 29. September, auch schon die Uni, doch darüber werde ich morgen berichten.

Tafelwein

Table wine

Wer das mit dem Olivenöl schon schlimm fand, schaut besser weg.

Donnerstag, 18. September 2008

Real Madrid 2 – BATE Borissow 0

Gestern Nachmittag ergab es sich, dass sich sechzehn Erasmus-Studenten sowie in etwa dreißig Einheimische auf den weiten Weg ins Santiago-Bernabéu-Stadion begaben - oder wie die Spanier sagten: el templo:


Bild196


Die vom Wirt der örtlichen Real-Madrid-Fankneipe organisierte Fahrt war zugegebenermaßen sehr unterhaltsam und der erste Eindruck nach Betreten des Stadions überwältigend:


Bild217


Das Spiel selbst dann zugegebenermaßen eher langweilig und nachdem nach dem 2:0 durch van Nistelrooy gar nichts mehr ging, konnte man nur noch für ein baldiges Ende der Partie beten.


Immerhin bot sich mir die Gelegenheit, von den Rängen hinter mir eine Breite Palette spanischer Schimpfwörter und ihrer Kombinationsmöglichkeiten kennenzulernen.

Samstag, 13. September 2008

Bürokratie, Konzerte und schlechte Manieren

Am Montag ist es mir gelungen, auf der Polizeibehörde einen mittleren Verwaltungsakt auszulösen, indem ich ohne Personalausweis und ohne Reisepass meine Wohnung anmelden wollte. Ich holte dann die Rechnung der deutschen Botschaft über die Ausstellung eines biometrischen Reisepasses hervor. Das hatte zur Folge, dass erst mal eine Deutsch sprechende Mitarbeiterin gesucht werden musste, um deren Korrektheit zu bestätigen. Allgemein scheinen die Spanier bei aller Lockerheit eine große Vorliebe für Bürokratie zu haben.


Der Rest der Woche war geprägt von Besuchen bei Kathis sehr unterhaltsamen spanischen Mitbewohnern und einigen Konzerten (unter anderem der Gruppe Dover) im Rahmen der Fiestas auf dem Plaza Mayor:


Concert at Plaza Mayor


Außerdem hat sich meine Vermutung bezüglich spanischer Manieren bestätigt. Dass der Spanier an sich selten danke beziehungsweise gracias sagt, wurde im Unterricht thematisiert: Es gilt hier als sehr schmierig, häufig danke zu sagen, und dass Bedanken für Alltäglichkeiten wird - wenn überhaupt - mit einem Lächeln geregelt.


Da hat man zu Hause jahrelang daran geareitet, sich sein bayrisches Grantlertum abzugewöhnen, und jedesmal danke zu sagen, wenn die Bedienung eine Bestellung entgegennimmt, ein neues Glas bringt, einen neuen Teller bringt, ein Glas mitnimmt, einen Teller mitnimmt, den Tisch abwischt, die Kerze anzündet, die Rechnung bringt, etc. und jetzt schaut einen der Kellner jedes mal schief an, wenn man sich bedankt. Die Welt ist ungerecht.


Da ich mir außerdem schon angewöhnt habe, wie die Einheimischen bei den Fiestas meinen leeren Plastikbecher einfach fallen zu lassen und in der Tapas-Bar die Serviette auf den Boden vor der Bar zu werfen (je mehr Servietten am Boden, desto besser übrigens die Bar), könnt ihr euch bei meiner Heimkehr schon mal auf meine schlechten Manieren freuen.

Freitag, 12. September 2008

Sprachverwirrung

Schön langsam nimmt das Sprachgewirr hier babylonische Ausmaße an.

Heute, 0.00 Uhr, Plaza Mayor: Alle gratulieren Katharina zum Geburtstag. Tamás aus Budapest kommt schockiert hinzu:

Tienes Geburtztak… orr whhat?

Katharina hat sich auf jeden Fall gefreut.

Montag, 8. September 2008

Sprache, Sprachkurs und Brotzeit

Heute möchte ich ein wenig über Sprache und Sprachkurs erzählen (an die Augsburger Mathematiker: welcher Prof?):





Es werden genau die Themen behandelt, von denen ich in Augsburg gehört habe, aber die ich mir nie einprägen konnte. Hier ist das natürlich viel einfacher, wenn man Neuerlerntes sofort an Einheimischen ausprobieren kann.


Noch wichtiger ist aber das, was man lernt, wenn man mit Spaniern spricht: So sind mir letzte Woche einige Kniffe begegnet, mit denen man gleich deutlich weniger fremd wirkt:
  • jeden zweiten Satz mit ¿verdad? (stimmt's?) beenden

  • Frauen ähnlichen Alters wahlweise mit hola chica oder hola guapa (Hübsche) begrüßen

  • des Öfteren vale (läuft) in den Redefluss einstreuen

  • anstelle von oder OK ebenfalls regelmäßig einen der folgenden Ausdrücke verwenden:
    • vale

    • claro que sí

    • mejor (besser ist das)

    • de puta madre (saugeil)

  • laut reden

Ebenfalls wichtig: Ich konnte das Konzept der Brotzeit auf spanische Verhältnisse übertragen:

Sehr lecker.

Sonntag, 7. September 2008

Madrid, Toledo und die Fiestas de la Virgen de San Lorenzo

Wie angekündigt war ich am Donnerstag in Madrid:


Bild083


Vom Wecker um sechs Uhr aus dem schönsten Schlaf gerissen, traf ich mich um kurz nach sieben mit María, meiner Mentorin, um um zehn in Madrid und damit um elf bei der deutschen Botschaft zu sein. So eine Botschaft ist übrigens furchtbar unspektakulär: Nach dem Gang durch so ein Flughafenteil und der Durchsuchung unserer Taschen fanden wir uns in einer gewöhnlichen deutschen Amtsstube wieder, wo ich dann einen Reisepass beantragte, der mir hoffentlich innerhalb der nächsten drei Wochen nach Valladolid geschickt wird. Das einzige, was stört, ist, dass der Staat jetzt meine Fingerabdrücke hat.


Nach einem Kaffee und der Puerta del Sol trafen wir uns mit Igor und den Belgiern, die mittlerweile auch etwas ausgeschlafener aus Valladolid angekommen waren, um den Palacio Real und einige weitere Gebäude aufzusuchen.


Am Freitag begannen dann die Fiestas de la Virgen de San Lorenzo, das jährliche Stadtfest Valladolids. Glücklicherweise waren wir über den ungefähren Ablauf des Eröffnungsabends vorgewarnt und zogen somit in älterer Kleidung und jeder mit einer Plastikflasche Calimocho, einem Mischgetränk aus Tetrapak-Rotwein und Cola, bewaffnet in Richtung Plaza Mayor.


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Dort spielte sich dann in etwa folgendes ab: Nachdem sich die Jugendlichen Valladolids in sogenannten Peñas, kleinen Gruppen von circa fünf bis fünfzehn Leuten der selben Straße, Schule, Firma oder sonstwas, zusammengeschlossen hatten, zogen sie in Gemeinschafts-T-Shirts mit einem Einkaufswagen voll mit einigen Behältern des oben genannten Calimocho ins Stadtzentrum, wo dann die große Schlacht begann.


Nachdem ich glücklicherweise nur wenige Spritzer abbekommen habe, ging es anschließend in einer Bar mit einigen Einheimischen, Belgiern und Deutschen und zwei sehr großen Behältnissen Calimocho weiter. Als wir dann weiterzogen, gelang es mir leider nicht, mich höflich nach Hause zu verabschieden und so wurde ich von Alfonso, einem Spanier als big person bezeichnet. Der Versuch, ihm die Missverständlichkeit seines Kompliments zu erkären scheiterte in Ermangelung der Kenntnis des spanischen Wortes für Übergewicht. In der dritten Bar ließ ich mich bei meinem verzweifelten Veraschiedungsversuch zu einem weiteren Drink überreden, woraufhin Igor, der Überredungskünstler, meinte, ich wäre ein sehr guter Spanier. Die Flucht gelang um 2.30 Uhr.


Der Samstag Morgen begann um 6.45 Uhr mit dem Selbstvorwurf, wie man denn nur so blöd sein könne, aus Tetrapaks stammenden Rotwein zu trinken - vor allem wenn man sich für den nächsten Tag für einen Ausflug nach Toledo angemeldet hatte. Trotzdem brachen wir, einige Erasmus-Studenten, dann gemeinsam mit einigen Teilnehmern des überwiegend von Asiaten und Brasilianern besuchten internationalen Sprachkurses sowie deren Lehrer zur dreieinhalbstündigen Busfahrt auf, die sich wieder erwarten komplett gelohnt hat. Toledo, das eine wichtige Rolle in der mittelalterlichen Geschichte Spaniens gespielt hat, ist ein wunderbares historisches Bergstädtchen umgeben von einer Landschaft, die einer etwas trockeneren Version der Toskana entspricht:


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Nach der Rückkehr galt es noch die am zweiten Abend der Fiestas stattfindende Technoparade zu besichtigen. Hier der Wagen von Real Valladolid:





Morgen ist hier erstmal Feiertag - vermutlich der religiöse Gedenktag der Virgen - und ich werde, denke ich, die Zeit finden, ein paar Worte über Sprachkurs, Sprache und die Leute an sich zu schreiben.

Freitag, 5. September 2008

Olivenöl

Olive oil

Ab welcher Olivenölflaschengröße gilt eigentlich ein Volk gemeinhin als pervers?

Mittwoch, 3. September 2008

Der Sprachkurs beginnt

Germans


Am Montag war der Einstufungstest für den Sprachkurs und es stellte sich sehr schnell heraus, dass es sich bei den neu angekommenen Erasmus-Studenten fast ausschließlich um Deutsche und Österreicher handelt. Anscheinend halten es nur deutschsprachige Studenten - eine Auswahl ist oben zu sehen - für nötig, bereits einen Monat vor Beginn des Semesters einen Sprachkurs zu machen. Was die Einstufung betrifft, bin ich wie gewünscht im mittleren Kurs gelandet.


Nach einem Montag Abend mit brasilianischen, deutschen und spanischen Studenten begann am Dienstag Morgen der Spanischkurs. Die hübscheste der Spanischlehrerinnen hatte leider einen anderen Kurs übernommen. Dafür erinnert mich unsere Profesora ein wenig an Bob Ross. Ansonsten unternehme ich zur Zeit recht viel mit den deutschsprachigen Studenten, aber wir finden uns immer mal wieder brasilianische, franko-kanadische oder manchmal sogar spanische Opfer, an denen wir unsere Sprachkenntnisse praktizieren können. Das wichtigste mussten wir allerdings trotz Muttersprachlern und Sprachkurs selbst herausfinden:

una cerveza

eine Flasche Bier (ca. 0,2 Liter)

una caña

ein Gläschen Bier (ca. 0,2 Liter)

una pinta

ein Glas Bier (ca. 0,4 Liter)


Plaza Mayor


Außerdem habe ich die Fotos von meiner Einwegkamera (siehe oben) entwickeln lassen, die mir auf ihre eigene Art und Weise sehr gut gefallen. Briefwahl ist beantragt und wird mir zugeschickt. Des Weiteren habe ich bereits wieder eine europäische Krankenversicherungskarte und VISA und ec werden hoffentlich bald folgen. Morgen Vormittag fahre ich, wie bereits angekündigt, mit Igor, María und vermutlich Marías belgischen Gästen nach Madrid, während sich die restlichen Erasmus-Studenten im Sprachkurs vergnügen. Am Freitag beginnen dann die Fiestas de la Virgen de San Lorenzo, das größte Stadtfest im Jahr, für das bereits überall aufgebaut wird:


Plaza mayor preparations for Fiestas de la Virgen de San Lorenzo